Thoraxdeformitäten abklären: Untersuchungen bei Verdacht auf Trichterbrust & Co.

Der Brustkorb schützt Herz sowie Lunge und spielt eine zentrale Rolle bei der Atmung. Entwickelt sich seine Form anders als üblich, kann das die räumlichen Verhältnisse im Brustraum verändern und in einigen Fällen auch zu Beschwerden führen. Solche Veränderungen zeigen sich häufig während des Wachstums und werden daher oft im Kindes- oder Jugendalter erstmals bemerkt. Für viele Betroffene und Eltern bringt das zunächst Fragen und Unsicherheiten mit sich – etwa, ob eine Behandlung notwendig oder überhaupt möglich ist. Bevor Ärztinnen und Ärzte darüber entscheiden können, braucht es jedoch eine genaue Diagnostik. Moderne bildgebende Verfahren zeigen sehr präzise, wie der Brustkorb aufgebaut und wie stark eine Deformität ausgeprägt ist. Sie bilden damit die Grundlage für die weitere medizinische Beurteilung.

Was sind Thoraxdeformitäten?

Unter diesem Begriff werden angeborene oder während des Wachstums entstehende Formveränderungen des Brustkorbs zusammengefasst. Dabei verändert sich vor allem die Stellung von Brustbein, Rippen und Rippenknorpeln. Die Abweichungen können unterschiedlich stark ausgeprägt sein und betreffen entweder den gesamten vorderen Brustkorb oder nur einzelne Bereiche.

Medizinisch lassen sich verschiedene Formen unterscheiden, die sich durch Richtung und Ausmaß der Veränderung voneinander abgrenzen. Einige führen hauptsächlich zu einer sichtbaren Veränderung der Brustkorbform. Andere beeinflussen zusätzlich die räumlichen Verhältnisse im Brustraum und können dadurch Herz, Lunge oder die Atemmechanik betreffen.

Die Ausprägung entwickelt sich häufig schrittweise während des Wachstums. Viele Betroffene bemerken die Veränderung daher erst im Schulalter oder in der Pubertät. Eine medizinische Abklärung hilft dabei, die Art der Veränderung einzuordnen und mögliche funktionelle Auswirkungen zu beurteilen.

Thoraxdeformitäten

© stock.adobe.com “Young teenage girl looking in the mirror in her room.” von Halfpoint

Welche Thoraxdeformitäten gibt es?

Trichterbrust (Pectus excavatum)

Bei dieser Form sinkt das Brustbein nach innen ein. Dadurch entsteht eine sichtbare Vertiefung im vorderen Brustbereich. Die Trichterbrust zählt zu den häufigsten angeborenen Brustkorbveränderungen.

Kielbrust (Pectus carinatum)

Hier wölbt sich das Brustbein nach vorne. Der Brustkorb wirkt dadurch spitz oder kielförmig. Die Veränderung entsteht meist während des Wachstums und fällt häufig erst in der Pubertät stärker auf.

Asymmetrische Thoraxdeformitäten

Manchmal entwickelt sich der Brustkorb nicht gleichmäßig. Eine Seite kann stärker nach innen oder außen geformt sein als die andere. Solche asymmetrischen Formen treten häufig zusammen mit einer Trichter- oder Kielbrust auf.

Poland-Syndrom

Hierbei handelt sich um eine angeborene Fehlbildung, bei der sich Brustmuskulatur und angrenzende Strukturen während der Embryonalentwicklung nicht vollständig ausbilden. Dadurch fehlt auf einer Seite des Brustkorbs teilweise Muskelgewebe, meist der große Brustmuskel. Zusätzlich können Rippen oder Rippenknorpel anders ausgebildet sein, sodass eine Brustseite flacher oder eingesunken wirkt.

Seltene kombinierte Fehlformen

In einigen Fällen zeigt der Brustkorb komplexere Veränderungen, bei denen mehrere Strukturen betroffen sind. Dazu zählen Kombinationen aus Einsenkungen, Vorwölbungen oder Verdrehungen des Brustbeins.

Welche Folgen können Thoraxdeformitäten haben?

Formveränderungen des Brustkorbs können je nach Ausprägung unterschiedliche Auswirkungen auf den Körper haben.

Mögliche Folgen können unter anderem sein:

Eingeschränkte Belastbarkeit

Einige Betroffene ermüden schneller bei körperlicher Aktivität oder sportlicher Anstrengung.

Kurzatmigkeit bei Belastung

Eine veränderte Brustkorbform kann die Atembewegung beeinflussen. Tiefes Einatmen fällt dann schwerer.

Druck- oder Engegefühl im Brustbereich

Vor allem bei stärker ausgeprägten Veränderungen berichten manche Menschen über ein beengendes Gefühl im Brustkorb.

Veränderte Herzlage

Bei einer ausgeprägten Trichterbrust kann sich die Position des Herzens leicht verschieben.

Haltungsveränderungen

Einige Betroffene ziehen die Schultern nach vorne oder nehmen eine gebeugte Haltung ein. Daraus können Rücken- oder Nackenbeschwerden entstehen.

Wann ist eine radiologische Bildgebung sinnvoll?

Eine radiologische Untersuchung hilft, Form und Ausprägung einer Thoraxdeformität objektiv zu beurteilen. Sie kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn die behandelnden Ärztinnen und Ärzte genauer klären möchten, wie stark der Brustkorb verändert ist und ob Herz oder Lunge beeinflusst werden. Dazu zählen unter anderem folgende Situationen:

Deutlich erkennbare Einziehung oder Vorwölbung des Brustkorbs

Bildgebende Verfahren helfen, Ausmaß und genaue Form der Veränderung zu bestimmen.

Beschwerden bei körperlicher Belastung

Atemprobleme, eingeschränkte Leistungsfähigkeit oder ein Druckgefühl im Brustbereich können Anlass für eine weiterführende Abklärung sein.

Verdacht auf Einfluss auf Herz oder Lunge

Die radiologische Bildgebung zeigt, ob sich Organe im Brustkorb verlagern und ihnen somit weniger Platz zur Verfügung steht.

Planung einer möglichen Behandlung

Vor einer konservativen Therapie oder einem operativen Eingriff benötigen Ärztinnen und Ärzte präzise Informationen über die anatomischen Verhältnisse des Brustkorbs.

Verlaufskontrolle im Wachstum

Bei Kindern und Jugendlichen prüfen Fachärztinnen und Fachärzte gelegentlich, ob sich eine Deformität im Laufe der Entwicklung verstärkt.

Je nach Ausprägung kommen konservative Maßnahmen, spezielle Orthesen oder operative Korrekturverfahren infrage.

Radiologische Bildgebung: Welche Untersuchungen gelten als Mittel der Wahl bei Thoraxdeformitäten?

Zur Beurteilung von Brustkorbfehlbildungen stehen in unserem Radiologischen Zentrum München verschiedene Verfahren zur Verfügung. Die passende Methode wählen wir jeweils abhängig von Fragestellung, Alter der Patientinnen und Patienten sowie der geplanten weiteren Behandlung. Einige Verfahren liefern einen ersten Überblick, andere ermöglichen eine sehr genaue Analyse der Brustkorbstruktur. Zu den wichtigsten radiologischen Untersuchungen in der Thoraxdiagnostik zählen:

Eine Röntgenaufnahme stellt häufig den ersten bildgebenden Schritt dar. Sie zeigt die knöchernen Strukturen des Brustkorbs und ermöglicht eine erste Einschätzung der Form des Brustbeins sowie der Rippenstellung. Auch Hinweise auf eine mögliche Verschiebung des Herzens lassen sich erkennen.

Mehr dazu: Digitales Röntgen in München

Die Computertomographie ermöglicht eine sehr genaue Darstellung der knöchernen Strukturen des Brustkorbs. Sie kommt vor allem bei der Trichterbrust zum Einsatz. So können wir das Ausmaß der Einsenkung des Brustbeins exakt beurteilen.

Wir berechnen dabei den sogenannten Haller-Index. Dieser Wert beschreibt, wie breit der Brustkorb ist und wie groß der Abstand zwischen Brustbein und Wirbelsäule ausfällt. Je stärker das Brustbein eingesunken ist, desto höher fällt der Haller-Index aus. Dieser Wert ordnet den Schweregrad einer Trichterbrust ein und hilft dabei, die Behandlung zu planen. Auch bei asymmetrischen oder komplexen Thoraxdeformitäten liefert die CT wichtige Informationen für den weitere Therapieverlauf.

Mehr über das Verfahren: CT in München

Die MRT kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn zusätzlich die Weichteile im Brustbereich genauer beurteilt werden sollen. Dazu gehören beispielsweise Herz, Muskulatur und andere Strukturen im Brustraum. Da die MRT ohne Röntgenstrahlung arbeitet, eignet es sich besonders für jüngere Patientinnen und Patienten oder für Verlaufskontrollen.

Weitere Informationen: MRT in München

Welche Rolle spielt die radiologische Bildgebung bei Thoraxdeformitäten?

Die radiologische Untersuchungen im RZM übernehmen bei Thoraxdeformitäten mehrere wichtige Funktionen:

Einschätzung des Schweregrades

Bildgebende Verfahren zeigen, wie stark der Brustkorb verändert ist. Diese Information hilft bei der Entscheidung, ob eine Operation sinnvoll ist.

Präoperative Planung

Vor einem möglichen Eingriff liefern die Aufnahmen genaue Informationen über die Anatomie des Brustkorbs und unterstützen die Planung der Operation.

Postoperative Kontrolle

Nach einer Behandlung lässt sich das Operationsergebnis und den weiteren Heilungsverlauf anhand der Bildgebung kontrollieren.

Diagnostik von Thoraxdeformitäten im Radiologischen Zentrum München

Im RZM verbinden wir moderne Bildgebung mit umfassender Erfahrung in der Beurteilung von Brustkorbveränderungen. Leistungsstarke Geräte für Röntgen, CT und MRT ermöglichen eine exakte Darstellung von Brustbein, Rippen sowie der Lage von Herz und Lunge im Brustraum.

Die Aufnahmen zeigen Form und Ausprägung von Thoraxdeformitäten wie Trichterbrust oder Kielbrust sehr genau. Unsere Radiologinnen und Radiologen analysieren die Bilder sorgfältig, bestimmen relevante Messwerte und beurteilen mögliche Auswirkungen auf die Organe im Brustkorb.

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